«Ich bin ein Vermittler fürs Fernseh-Publikum»
27.02.2026 SportDer ehemalige Bobfahrer Christian Reich aus Künten hat für SRF Rodeln, Skeleton und Bob kommentiert
Christian Reich aus Künten ist einer der erfolgreichsten Schweizer Bobfahrer. Er kommentierte für SRF Bob, Rodeln und Skeleton der Olympischen Winterspiele.
...Der ehemalige Bobfahrer Christian Reich aus Künten hat für SRF Rodeln, Skeleton und Bob kommentiert
Christian Reich aus Künten ist einer der erfolgreichsten Schweizer Bobfahrer. Er kommentierte für SRF Bob, Rodeln und Skeleton der Olympischen Winterspiele.
◆ Christian Reich, die Olympischen Winterspiele 2026 sind Geschichte. Können Sie sagen, wie lang Sie insgesamt kommentiert haben?
Das muss ich zuerst ausrechnen – ich denke, insgesamt waren es so 40 bis 50 Stunden.
◆ Welches war Ihr Hühnerhaut-Moment?
Natürlich der Sonntag, als klar war, dass Michael Vogt die Bronze-Medaille im Vierer-Bob holt. Das war Hühnerhaut pur. Als er in die drittletzte Kurve einfuhr, wusste ich: Jetzt hat er es geschafft. Claude (Jaggi, Anm. d. Red.) war noch skeptisch, aber ich war sicher, dass es reicht. Es war die erste Schweizer Olympia-Medaille im Bob seit 2014.
◆ Sind Sie insgesamt zufrieden mit der Schweizer Leistung?
Der Vierer war sehr gut. Auch Melanie Hasler zeigte gute Leistungen. Enttäuschend war für mich die Startleistung des Vierer-Bobs Schweiz 3, die war unterirdisch. Aber das gehört auch dazu, dass nicht alles so funktioniert, wie man es geplant hat.
◆ Sie kommentieren regelmässig Bob, Rodeln und Skeleton für SRF. Gibt es noch etwas, was Sie nervös macht?
Nein, absolut nicht.
◆ Der «Tages-Anzeiger» hat die fünf besten SRF-Kommentatoren dieser Olympischen Winterspiele ernannt. Sie gehören dazu. Bedeutet Ihnen das etwas?
Ich wusste das gar nicht. Mir bedeutet vor allem das Kommentieren selbst etwas, weil ich es gern mache und weil es mich noch mit dem Sport verbindet. Bobfahren ist ein sehr technischer Sport, ich sehe, wenn ein Fahrer oder eine Fahrerin einen Fehler macht. Ich versuche dann, das fürs Fernsehpublikum verständlich zu erklären.
◆ Sie sind also eine Art Übersetzer. Ja, ein Vermittler. Es geht um Sekundenbruchteile, die ein Athlet verliert oder je nachdem gutmacht. Wenn man sich nicht wirklich gut auskennt, ist es beim Zusehen nicht nachvollziehbar, weshalb jetzt einer schneller ist oder langsamer.
◆Schielen Sie beim Kommentieren auf die eingeblendeten Zwischenzeiten?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin voll fokussiert darauf, wie der Schlitten in der Bahn steht und was die Vorderkufen machen. Ein Fehler schlägt sich beim Bobfahren nicht sofort in der Zeit nieder, das dauert bis zur nächsten oder sogar übernächsten Zwischenzeit. Ich muss mich in die Situation des Piloten versetzen, antizipieren. Deshalb würde es auch überhaupt keinen Sinn machen, auf die Zwischenzeiten zu schielen.
◆ Juckt es Sie manchmal, wenn Sie den Aktiven zusehen, die einen Fehler machen, den Sie als Pilot hätten verhindern können?
Natürlich. Vor allem dann, wenn es um die eigenen Leute geht, um die Schweizer.
◆ Wünschen Sie sich dann, Sie würden selber wieder im Schlitten sitzen?
Mittlerweile nicht mehr.
◆ Aber es gab dieses Gefühl?
Ja, es gab ab und zu Momente, in denen ich dachte: Ja, also, das, was die da machen… Ich kann mich noch gut erinnern, als Francesco Friedrich (der Olympia-Sieger von 2026 im Vierer-Bob, Anm. d. Red.) am Aufkommen war. Er kam nach St. Moritz – das war etwa vier Jahre, nachdem ich aufgehört hatte. Ich testete gerade Schlitten und ich fuhr ihm ziemlich um die Ohren. Bobfahren ist wie Velofahren: Wenn man es einmal gut konnte, verlernt man es so schnell nicht wieder. Das Tempo ist natürlich eine Frage der Muskulatur. Am Start hätte ich natürlich keine Chance mehr, aber das Fahrerische verliert man so schnell nicht.
◆ Nun ist Milano Cortina 2026 Geschichte. Wie geht es Ihnen?
Ich bin erledigt. Bob habe ich jetzt für eine Weile gesehen und freue ich mich darauf, wieder mehr Zeit zum Golfen zu haben.
Susanne Loacker
Zur Person
Christian Reich (58) war insgesamt während 16 Jahren Mitglied der Bob-Nationalmannschaft, zuerst als Anschieber und später als Pilot. Höhepunkte der Pilotenkarriere waren der Sieg im Gesamtweltcup im Zweier-Bob (2000), der Europameistertitel im Zweier-Bob (2002) und Olympiasilber im Zweier-Bob (2002) in Salt Lake City. Zudem gewann er als Pilot sieben Weltcuprennen im Zweier- und Vierer-Bob sowie WM-, EM-, Weltcupund Schweizermeisterschafts-Medaillen. Insgesamt erlebte er sieben Olympische Spiele als Pilot und Anschieber im Schweizer Nationalteam, als Trainer des Bob-Teams von Monaco und Vize-Präsident der International Bobsleigh and Skeleton Federation (IBSF) mit.

