«Im Moment dominiert ganz klar die Vorfreude»
09.01.2026 SportManuela Wettstein und Pascal Bircher aus Fislisbach blicken zurück aufs vergangene Jahr und ihre Erlebnisse mit dem Projekt «United4Hope»
In knapp einem Jahr stechen «United4Hope» in See, um fast 5000 Kilometer über den Atlantik zu rudern. Manuela Wettstein ...
Manuela Wettstein und Pascal Bircher aus Fislisbach blicken zurück aufs vergangene Jahr und ihre Erlebnisse mit dem Projekt «United4Hope»
In knapp einem Jahr stechen «United4Hope» in See, um fast 5000 Kilometer über den Atlantik zu rudern. Manuela Wettstein war gemeinsam mit Valerie Zellweger in La Gomera, um den diesjährigen Start mitzuerleben.
◆ Pascal Bircher und Manuela Wettstein, wie geht es Ihnen, wenn Sie daran denken, wo Sie in ziemlich genau einem Jahr sein werden?
Pascal Bircher: Ich habe schon noch Respekt vor allem, was wir bis dahin noch vorbereiten müssen, sei es im physischen, im mentalen oder im organisatorischen Bereich. Aber ich bin auch froh, dass es jetzt «nur» noch ein Jahr geht: Wir wissen bereits seit anderthalb Jahren, dass wir im Dezember 2026 starten wollen. Es braucht viel, die Trainingsmotivation über so lange Zeit aufrecht zu erhalten.
Manuela Wettstein: Ich war im Dezember zusammen mit Valerie Zellweger in La Gomera. Die Rennleitung hatte uns ans Herz gelegt, einen Start mitzuerleben, weil das viel Nervosität nehme. Das stimmt total: Wir wissen jetzt, wo unsere Unterkunft sein wird, wo wir noch frische Lebensmittel einkaufen können – aber auch, dass wir flexibel bleiben müssen: Dieses Jahr wurde der Start wetterbedingt zuerst einen Tag vor-, schlussendlich aber zwei Tage nach hinten versetzt. Mir hat dieser Aufenthalt auf La Gomera einen richtigen Schub gegeben. Davor hatte ich ein kleines Zwischentief, aber jetzt bin ich auch wieder total motiviert. Im Moment dominiert ganz klar die Vorfreude.
◆ Haben Sie 2025 alles erreicht, was Sie sich trainingsmässig vorgenommen hatten?
Pascal Bircher: Ja und nein. Wir haben alle Musts erfüllt, die die Rennleitung vorgibt: Wir haben alle Trainingsstunden auf dem Meer gemacht, alle Videos, den Pre-Check des Boots. Auf der Nein-Seite hätten wir lieber längere Trainings auf dem Meer gemacht. So wollten wir vom italienischen Loano nach Korsika rudern, doch der Wind machte uns einen Strich durch die Rechnung. Wir sind dann «nur» bis Hyères in Frankreich gerudert, das waren etwa 50 Stunden. Was immer noch schwieriger ist als gedacht ist das ganze Sponsoring-Thema. Dort sind wir überhaupt nicht dort, wo wir sein wollten. Wir probieren natürlich weiter, Sponsoren zu finden, aber sind uns im Klaren, dass wir wahrscheinlich einen recht grossen Teil selber werden einschiessen müssen.
◆ Wie sehen die Trainings aus?
Manuela Wettstein: Den sportlichen Teil macht im Alltag jeder für sich, weil sowohl unsere sportlichen Vorgeschichten als auch unsere Voraussetzungen im Hinblick auf Geschlecht, Alter, Grösse und Gewicht sehr unterschiedlich sind. Dazu kommen regelmässige Teamsitzungen, in denen wir Dinge besprechen. Und an einem bis zwei Wochenenden pro Monat trainieren wir gemeinsam.
Pascal Bircher: Ausserdem arbeiten wir mit zwei Mentaltrainerinnen, zwei ehemaligen Olympia-Ruderinnen, weil das Mentale sicher eine sehr grosse Herausforderung wird.
Manuela Wettstein: Ja, der Kopf gibt in der Regel vor dem Körper auf. Davor habe ich Respekt: Ich weiss aus Erfahrung, dass man physisches Training recht gut planen kann. Der mentale Teil ist für mich unberechenbarer.
◆ Kann man das auch trainieren?
Manuela Wettstein: Uns ist empfohlen worden, wirklich so zu trainieren, wie es dann auf dem Meer sein wird: auch mal früh am Morgen, mitten in der Nacht, mit ausgeschaltetem Ergometer-Display, ohne Fernseher und Musik.
◆ Wovor haben Sie sonst Respekt?
Pascal Bircher: Die Wellen sind ein Thema, das Zwischenmenschliche auf dem Boot, und dann natürlich die Ängste, die jede und jeder von uns vieren hat.
◆ Woran müssen Sie noch arbeiten?
Manuela Wettstein: Vor allem an der Kommunikation. Wir wissen inzwischen, wie wir ticken. Wir wissen auch, dass man manchmal, wenn man erschöpft ist, Dinge sagt, die man sonst nicht sagen würde. Wir müssen lernen, sehr direkt zu kommunizieren und nachzufragen, wenn wir nicht ganz sicher sind, was jemand meint. Ausserdem müssen wir das Boot buchstäblich im Schlaf kennen und in der Lage sein, Probleme schnell selber zu lösen.
◆ Planen Sie noch längere gemeinsame Trainings?
Pascal Bircher: Ja, wir haben einmal eine Woche geplant, und einmal zwei Wochen. Das einwöchige Training möchten wir entweder auf dem Mittelmeer oder auf der Nordsee absolvieren. Für die zwei Wochen würden wir sehr gerne auf den Atlantik, um ein Gefühl für dieses Meer zu bekommen.
Susanne Loacker

