Sportsfreund Toni hat sich nach längerer Funkstille gemeldet. Ob er sich mit mir auf ein Bier treffen könne? Er wäre froh um einen Ratschlag. Die treue Leserschaft kann sich erinnern, dass um Toni seit einiger Zeit bezüglich seiner Befindlichkeit Gerüchte kursieren. Mit ...
Sportsfreund Toni hat sich nach längerer Funkstille gemeldet. Ob er sich mit mir auf ein Bier treffen könne? Er wäre froh um einen Ratschlag. Die treue Leserschaft kann sich erinnern, dass um Toni seit einiger Zeit bezüglich seiner Befindlichkeit Gerüchte kursieren. Mit Klatsch gehe ich sehr vorsichtig um, denn vom «Ghöre säge lehrt mer lüge». Ich wollte die News deshalb aus erster Hand erfahren und traf mich mit Toni. Klar, dass wir zuerst die WM thematisierten und für einmal in Sachen Nati gleicher Meinung waren: Alles paletti, «wir» haben uns bisher prima geschlagen und sind auf Kurs. Und der nächste Gegner Algerien sollte machbar sein, wie es so schön heisst im Jargon.
Toni kam dann ziemlich schnell auf den Punkt. Wie ich vermutet hatte, ging es um seine spanische Freundin Maria. Seit bald einem Jahr sind die beiden ein Paar, kennengelernt hatten sie sich dank der Frauenfussball-EM. Eine romantische Geschichte, jedenfalls am Anfang. Nun scheint die Beziehung einige Risse bekommen zu haben. «Weisst du, Jean», erzählte Toni, «Maria pendelt zwischen der Schweiz und Spanien. Aus beruflichen Gründen, wie sie mir immer versichert hat.» «Das ist doch super», fand ich, «dann hast du den Fünfer und das Weggli. Du hast eine gewisse Freiheit und bist trotzdem nicht dauernd allein! Was willst du mehr?» So einfach sei es nicht, erwiderte Toni. «Maria hat auch in Spanien einen sehr guten Freund. Sie ist offenbar zwischen ihm und mir hinund hergerissen. Auf gut Deutsch: Wir führen momentan eine On-Off-Beziehung. Das macht nicht wirklich Spass.» Was ich gut verstehen kann. Wer steht schon gerne immer wieder im Offside?
Jean