Der FC Rohrdorferberg spielt in keiner Liga, zählt keine Tore und kommt ohne Schiedsrichter aus.
Es ist fast unheimlich still. Niemand schreit quer über den Platz. Und niemand wälzt sich am Boden. Ist das hier wirklich Fussball? Es ist. Acht gegen acht wird heute gespielt. ...
Der FC Rohrdorferberg spielt in keiner Liga, zählt keine Tore und kommt ohne Schiedsrichter aus.
Es ist fast unheimlich still. Niemand schreit quer über den Platz. Und niemand wälzt sich am Boden. Ist das hier wirklich Fussball? Es ist. Acht gegen acht wird heute gespielt. «Es kommt immer drauf an, wie viele Leute kommen. Bei uns muss man sich nicht anmelden. Alle wissen: Am Dienstagabend ab acht Uhr wird hier Fussball gespielt.» Das erklärt Giorgio Keller, 68, Gründungsmitglied und Vereinspräsident des FC Rohrdorferberg. Keller ist langjähriger Sportjournalist und Super-League-Kommentator bei blue sports. Der FC Rohrdorferberg, kurz FCRO, feiert heuer seinen zehnten Geburtstag. Man ist zwar ein Verein mit Statuten und allem, was dazugehört, inklusive einem insgesamt dreiköpfigen Vorstand. So ist es möglich, auf dem Rasen vor dem Rüsler in Niederrohrdorf und bei schlechtem Wetter in einer Halle zu spielen.
Fussball für jedermann
Doch der FC Rohrdorferberg gehört keiner Liga an, ist in keinem Verband. Und seine Spieler feiern gefallene Tore zwar, aber zählen sie im Laufe des Abends nicht. Und einen Schiedsrichter haben sie auch nicht – auf dem Rasen vor dem Rüsler sieht man Schwalben allenfalls am Himmel. Die Spieler – der jüngste 18, der älteste 68, spielen wirklich nur, weil sie eben Spass am Fussballspielen haben.
Das war auch die Gründungsidee des Vereins: Damals kamen in Stetten ein Eventorganisator und Motorsport-Journalist – eben Giorgio Keller –, ein Garagist (Flavio Tana) und ein Gemeinderat (Alex Schibli) zusammen. Eigentlich hätten sie gerne Fussball gespielt, doch stellten sie ernüchtert fest, dass es zwar in Fislisbach einen FC gab, dann aber bis Mutschellen nichts mehr. Dieser fussballerischen Leerstelle wollten sie Abhilfe schaffen. Damals schon war klar: Das Motto sollte «Fussball für jedermann» heissen, unabhängig von Alter, Talent und allem anderen auch.
Eine Zeitlang spielten auch zwei Frauen regelmässig beim FCRO. Heute hat der Verein etwa 40 Mitglieder, etwa die Hälfte davon taucht jeweils zum Fussballspielen auf, mittlerweile eben nicht mehr in Stetten, sondern in Niederrohrdorf – ein formelles Training gibt es hier nicht. Vielleicht ist es gerade diese Freiheit von Verpflichtung, die für mehr Spass an der Sache sorgt.
Fussballerische Verbundenheit
Im Laufe des Sommers möchte der FCRO eine Jubiläumsparty schmeissen. Im Moment ist der Vorstand des FCRO mit zwei süddeutschen Gemeinden im Gespräch, die beide Rohrdorf heissen. Gerne würde man die beiden dortigen FCs besuchen und auf fussballerische Verbundenheit anstossen.
So ganz ohne Ambitionen geht es allerdings auch beim FCRO nicht: Ein bisher unerfüllter Traum ist ein Sieg am Niederrohrdorfer Grümpi. Zu oft hat die Mannschaft schon Silber geholt. «Aber im Final scheitern wir immer, oft gegen Mannschaften, die wir in der Vorrunde geschlagen hatten», sagt Giorgio Keller. Dazu lacht die Runde. Verbissenheit scheint beim FC Rohrdorferberg wirklich ein Fremdwort zu sein. Auch dann nicht, falls es am 30. Mai wieder nicht klappen sollte mit dem Grümpi-Sieg. Aber schön wäre es schon.
Susanne Loacker