Live-Podcast im Reusspark aufgenommen
10.03.2026 NiederwilDer Reusspark lud kürzlich zum Live-Podcast «Das letzte Stündchen» mit Elena Ibello ein
130 Personen waren vor Ort, um im Reusspark die Liveaufzeichnung des Podcasts «Das Letzte Stündchen» mitzuerleben. Die Podcasterin Elena Ibello sprach dabei mit Karin ...
Der Reusspark lud kürzlich zum Live-Podcast «Das letzte Stündchen» mit Elena Ibello ein
130 Personen waren vor Ort, um im Reusspark die Liveaufzeichnung des Podcasts «Das Letzte Stündchen» mitzuerleben. Die Podcasterin Elena Ibello sprach dabei mit Karin Rippstein, Fachexpertin der Palliative Care Reusspark und der Betroffenen Helene Schnyder über das Sterben.
Der im Reusspark aufgenommene Podcast «Das letzte Stündchen» ist bereits für den Suisse Podcast Award in der Kategorie «Leben» nominiert. Ab sofort kann die Stimme dafür abgegeben werden (siehe Link am Schluss des Textes). Ein Podcast ist eine Serie von meist kostenlosen Hör-Beiträgen, die über das Internet gestreamt oder heruntergeladen werden können. Wer verpasst hat bei der Aufzeichnung dabei zu sein, kann dies nachholen. «Der Podcast wird auf der Homepage des Reussparks aufgeschaltet», so Caroline Schneider, Leiterin Unternehmenskommunikation. Die Podcasterin Elena Ibello führt in ihren Podcasts Gespräche über das Sterben und den Tod. Und damit: übers Leben. Das mit Menschen aus allen möglichen Lebensbereichen, die dazu etwas zu sagen haben. Ibello ist überzeugt: Wir alle sollten übers Sterben reden, weil wir gut und so selbstbestimmt wie möglich bis zum Schluss leben wollen.
Frauentrio beim Podcast
Bei der Aufzeichnung des Podcasts im Reusspark sprach Elena Ibello zum einen mit Karin Rippstein. Rippstein arbeitet als Fachexpertin Palliative Care im Reusspark und wird beruflich mit dem Tod konfrontiert. Zum andern mit Helene Schnyder, einer Betroffenen. Schnyder pflegte so lange ihren erkrankten Mann zu Hause, bis es nicht mehr ging. Er übersiedelte dann in den Reusspark, wo er letztes Jahr starb. Schnyder engagiert sich seither als Freiwillige in der Institution. «In dieser Zeit ist der Reusspark auch ein wenig ein Zuhause geworden. Ich wurde hier bestens unterstützt», sagte sie auf die Frage von Ibello, was ihre Motivation dafür sei.
Entscheid loszulassen, fiel nicht leicht
Schnyder erzählte bei der Aufzeichnung ihre persönliche Geschichte mit dem Schicksalsschlag. Diese berührte die Anwesenden sichtlich. Vor sechs Jahren wurde der Mann von Helene Schnyder nach einem medizinischen Vorfall zu einem Pflegefall. Sie kümmerte sich von da an rund um die Uhr um ihn. In dieser Zeit, habe sie kaum mehr Zeit für sich selbst gehabt und der Alltag habe sich nur noch um ihren pflegebedürftigen Mann gedreht. Die Tages- und Nachtklinik des Reussparks brachten ihr kleine Ruhezeiten, wenn sie ihren Mann für kurze Zeit dorthin brachte. Da er aber nicht gerne dort war, plagte sie dabei das schlechte Gewissen. Sie habe in dieser Zeit viel in Kauf genommen und auf vieles verzichtet, erzählte sie. Irgendwann hätten ihre Kinder gesagt: «Jetzt müssen wir etwas tun, ansonsten wirst du selbst krank!» Da Schnyder gelernte Pflegefachfrau ist, tat sie sich umso schwerer, ihren Mann in ein Pflegeheim zu geben. «Ich dachte, dass ich das schaffen müsse», sagte sie. Mit etwas Abstand frage sie sich heute, wie sie das damals alles bewältigte.
Für Karin Rippstein als Fachexpertin der Palliative Care ist die Geschichte von Helene Schnyder eine bekannte Geschichte. Sie verriet, dass sich viele Angehörige mit dem Schritt schwer tun, ihre Angehörige in eine Pflegeinstitution zu geben. «Wir müssen oft den Angehörigen deutlich machen, dass wir ihnen nichts wegnehmen, sondern sie lediglich entlasten», sagte sie. Dabei seien Gespräche zwischen Pflegepersonal den Patienten und deren Angehörigen sehr wichtig. Dies vor allem dann, wenn es gegen das Ende zugehe. Menschen auf dem letzten Weg zu begleiten, sei definitiv keine Fliessbandarbeit, sondern bei jedem Mensch anders und individuell. Das bestätigte Helene Schnyder. «Die Art, wie wir hier Abschied nehmen konnten, half enorm», so Schnyder. «Mein Mann war in besten Händen.» Darum falle es ihr leicht, weiterhin als Freiwillige im Reusspark tätig zu sein.
So könne sie anderen helfen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Dies kann nun mit dem Podcast erreicht werden. Sie will mit ihrer Geschichte anderen Mut machen.
Debora Gattlen
Voting: dasletztestuendchen.ch/post/nomination-für-den-suisse-podcastaward-kategorie-leben
Zur Person
Elena Ibello führt die Gespräche für ihre Podcasts (auf Schweizerdeutsch) mit ihren Gästen in der Hoffnung, damit andere zum Reden übers Sterben anzuregen. Und aus Neugierde. Elena ist Mitherausgeberin verschiedener Bücher. Unter anderem: «Zu Ende denken. Worte zum Unausweichlichen» (Wörterseh Verlag) oder «Reden über Sterben» (Sachbuchverlag Rüffer & Rub). Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich mit dem Lebensende, dem Sterben und dem Tod. Doch nie ohne dabei das Lachen zu vergessen.

