Die Individualbesteuerung will verheirateten Frauen den Anreiz geben, in hohen Arbeitspensen erwerbstätig zu bleiben. Familien, bei denen der Mann oder die Frau deutlich mehr verdient als der oder die Partner/-in werden mit der Reform wesentlich mehr Steuern bezahlen müssen als ...
Die Individualbesteuerung will verheirateten Frauen den Anreiz geben, in hohen Arbeitspensen erwerbstätig zu bleiben. Familien, bei denen der Mann oder die Frau deutlich mehr verdient als der oder die Partner/-in werden mit der Reform wesentlich mehr Steuern bezahlen müssen als Doppelverdienerpaare mit gleich hohem Gesamteinkommen. Einverdiener-Familien werden klare Verlierer der Reform sein.
Von der Reform würden auch reiche Rentnerpaare profitieren, insbesondere wenn beide über eine gute Pensionskassenrente verfügen. Wenn Ehepaare für sich die ökonomische Rechnung machen – profitieren wir oder profitieren wir nicht – müssen sie sich bewusst sein, dass künftig beide Ehepartner eine eigene Steuererklärung ausfüllen müssen. Zuvor muss gemeinsames Eigentum aufgeteilt werden. Allfällig gemeinsames Wohneigentum, müsste künftig anteilmässig nach der Eigentumsquote versteuert werden. Das System wird kompliziert, sodass von der Reform vor allem Treuhänder und Steuerberater profitieren dürften.
Zudem bräuchte es für die Bearbeitung von circa 1,7 Millionen zusätzlichen Steuererklärungen rund 6800 neue staatliche Stellen. Die Nachteile der Reform stehen in keinem Verhältnis zu möglichen Vorteilen. Sie schafft mehr Bürokratie und neue steuerliche Ungerechtigkeiten. Im Übrigen ist mir schleierhaft, was die Reform mit der Gleichstellung der Frauen zu tun haben soll. Deshalb lehne ich die Reform ab.
Ruth Humbel, Birmenstorf