Menschen, die da sind und Halt geben
04.08.2026 FislisbachFislisbach: An der Bundesfeier im Alterszentrum Buechberg ging es um Zusammenhalt, auch in schwieriger Zeit
Zwei Reden, ein Fokus. Edith Saner und Roman Wyler sprachen über Zusammenhalt in der Gesellschaft und in der Schweiz. Dabei ging es auch um eine Sicherheitsnadel, die ...
Fislisbach: An der Bundesfeier im Alterszentrum Buechberg ging es um Zusammenhalt, auch in schwieriger Zeit
Zwei Reden, ein Fokus. Edith Saner und Roman Wyler sprachen über Zusammenhalt in der Gesellschaft und in der Schweiz. Dabei ging es auch um eine Sicherheitsnadel, die Gegensätze verbinden kann.
Zwei Reden, ein Thema. So haben sich das die zwei Mitte-Politiker aus dem Reusstal für die diesjährige Bundesfeier ausgedacht. Edith Saner und Roman Wyler folgten einer Einladung des Alterszentrums Buechberg in Fislisbach und rückten am 1. August das Thema «Zusammenhalt» ins Zentrum ihrer Reden.
Saner ist Grossrätin aus Birmenstorf, Co-Präsidentin der Mitte Aargau und ehemalige Verwaltungsratspräsidentin des Fislisbacher Alterszentrums; Wyler ist Gemeinderat in Remetschwil und Bezirkspräsident der Mitte des Bezirks Baden. «Wir wollten etwas Neues machen», erklären sie den besonderen Ansatz und beschlossen, das gleiche Thema aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Dabei fragten sie sich, wie wichtig ist der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft?
Beide Reden liegen dem «Reussbote» vor – an der Feier im «Buechberg» konnte er allerdings nicht persönlich dabei sein. Die wichtigsten Botschaften aus beiden Reden sollen hier dennoch wiedergegeben werden.
Klettverschluss und Sicherheitsnadel
Die Birmenstorferin Edith Saner erzählt, wie sie das diesjährige 1.-August-Abzeichen schmunzeln liess: «Es symbolisiert den Zusammenhalt mit einem Klettverschluss und einer Sicherheitsnadel.» Der eine hält Stoffe zusammen, erklärte sie, die andere seit der späten Bronzezeit – und damit seit rund 3000 Jahren – auch Kleider. «Der Zusammenhalt ist somit am diesjährigen 1. August ein wichtiges Thema», resümierte Saner. Das sei vielleicht kein Zufall in einer Welt von Gegensätzen, Polarisierungen und Konflikten. «Letzthin habe ich folgendes Sprichwort aus Afrika gelesen: Einer allein kann kein Dach tragen.» Ja, um stark zu sein, etwas zu tragen oder zu ertragen, brauche es andere Menschen, ist sie überzeugt. «Menschen, die Hilfe anbieten, die da sind, die unterstützen und begleiten. Menschen, die nicht polarisieren, sondern denen die Gemeinschaft und der Zusammenhalt unserer Gesellschaft wichtig sind. Menschen, die da sind, wie eine Sicherheitsnadel und Gegensätze verbinden.» Sie selbst habe diesen Zusammenhalt schon als Kind in ihrer Familie erlebt. «Gemeinsame Anlässe, Festivitäten, und alltägliche Rituale haben uns als Gemeinschaft gestärkt.»
Zusammenhalt grösser denken
Der Remetschwiler Roman Wyler nimmt den Faden auf: «Zusammenhalt war vor hundert Jahren nicht anders als heute.» Der Begriff stehe für «zäme hebe, zäme stah». Geändert hätten nicht die Bedeutung sondern die Umstände. «Viele von Ihnen sind in der Nachkriegszeit aufgewachsen, haben vielleicht Hunger oder Angst erlebt.» Er sei zwei Generationen später auf die Welt gekommen, meinte Wyler, ohne Angst und ohne Hunger. «Krieg war etwas Abstraktes, ganz weit weg.» Nun sei die jüngere Generation gefordert wieder zu lernen, dass Frieden und Freiheit keine Selbstverständlichkeit seien. Umso wichtiger sei es, dass Menschen zusammenstehen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. «Zäme hebe, zäme stah» habe er selbst vor allem in der Ehrenamtlichkeit erlebt, im Verein, im Schwingklub, in der Feuerwehr.
Am 1. August 1291 hätten sich drei tapfere Innerschweizer Treue geschworen gegen die habsburgischen Vögte auf der Rütliwiese. Mit Globalisierung und Internet sei der Bewegungsraum grösser geworden. Wyler meinte denn auch: «In der heutigen Zeit muss auch der Zusammenhalt grösser gedacht werden. Vielleicht sogar europaweit, um den diktatorischen Mächten mit den narzisstischen Herrschern die Stirne bieten zu können.» (hhs)


