Sein Ziel ist Fussballprofi, aber als Online-Gamer
01.05.2026 NiederwilNiederwil: Christian Greco errang im Konsolen-Fussballspiel «EA Sports FC» 270 Siege und hat insgesamt 32 Pokale vorzuweisen
Christian Greco spielte im echten Leben für die Jugendmannschaften des FC Zürich. Der letzte Schritt zum Profi-Fussballer gelang jedoch ...
Niederwil: Christian Greco errang im Konsolen-Fussballspiel «EA Sports FC» 270 Siege und hat insgesamt 32 Pokale vorzuweisen
Christian Greco spielte im echten Leben für die Jugendmannschaften des FC Zürich. Der letzte Schritt zum Profi-Fussballer gelang jedoch nicht. Nun träumt er von einer Karriere als hauptberuflicher Gaming-Profi – natürlich ebenfalls im Fussball.
Christian Greco ist ein junger Mann, der mit beiden Beinen im Leben steht. Der 28-Jährige arbeitet als Chauffeur im Transportgewerbe, ist verheiratet und hat einen zweijährigen Sohn. Im September erwartet das Paar, das im vergangenen Herbst vom Kanton Zürich nach Nesselnbach zog, erneut Nachwuchs. Eine Leidenschaft zieht sich durch Grecos ganzes Leben: der Fussball. «Profifussballer zu werden, ist immer mein Wunsch gewesen», erzählt er. Beim FC Zürich spielte er in allen U-Mannschaften und nach der U18 beim Verein Juventus Zürich. Doch der letzte Schritt zur Profikarriere habe leider nicht geklappt, bedauert Greco.
Mit Fussball-Games aufgewachsen
Von frühester Jugend an spielte er nicht nur auf dem Platz, sondern auch auf der Playstation – und dort ebenfalls ausschliesslich Fussball. «Ich habe nie etwas anderes gespielt, ich kenne die meisten Spiele gar nicht», erklärt er. Schon mit sechs Jahren fing er mit der Fussball-Spielereihe «Fifa» an, da musste seine Mutter ihm den Online-Zugang noch freischalten. Mit der Zeit entwickelte er sich weiter – so wie parallel die digitale Spielewelt, die heutzutage grafisch ziemlich realistisch rüberkommt. Mittlerweile «zockt» Greco das Fussballspiel «EA Sports FC» auf der Playstation – online gegen menschliche, überwiegend männliche Spieler aus der ganzen Welt. Diese messen sich in eigenen Fussball-Ligen und Pokalturnieren. Rund 20 000 Spieler treten in insgesamt neun Ligen gegen einander an. In der ersten Liga, in welcher der Wahl-Niederwiler seit sage und schreibe 42 Saisons aktiv ist, sind es allein 2000. Greco belegt aktuell Platz 61. Er spielt die sogenannte «Saison League», in der man im Gegensatz zum Ultimating-Spielmodus kein echtes Geld für Zugang und Spieler investieren muss. Stattdessen spielt man einen festen Verein. Eigentlich ist Christian Greco ja Fan des FC Barcelona, war sogar schon live bei Spielen im legendären Stadion Camp Nou in Katalonien. Online setzt er dagegen auf eine andere spanische Mannschaft: «Ich spiele meistens als Atlético Madrid, weil das zu meinem Spielstil passt», erklärt er. Der Verein sei sowohl defensiv als auch offensiv stark. Um sich in der 1. Liga zu halten, muss der 28-Jährige jeweils am Wochenende an Matches teilnehmen und von 20 Spielen mindestens 15 gewinnen, um sich zu qualifizieren. Es gibt auch Pokalspiele und Wettbewerbe. In der Weltrangliste gibt es darüber hinaus Punkte, mit denen man seine Spieler im Game verbessern kann. Die menschlichen Gegenspieler werden jeweils zugelost.
Vereine heuern Profis an
Für die Nicht-Eingeweihten mag sich das alles nach blosser Spielerei anhören. Doch das stimmt nicht in jedem Fall: «Es gibt E-Sportler, die das hauptberuflich machen und acht bis neun Stunden am Tag gamen. Die sind von echten Vereinen angestellt», weiss Greco. E-Sportler, so nennt man professionelle Spieler. Einer von ihnen, der beim RB Leipzig unter Vertrag steht, lud Greco vor zwei Jahren via Chat zu einem Profi-Match in Chiasso ein. Dort traten die Spieler zwar ebenfalls online gegeneinander an, waren aber physisch in einer Halle versammelt. Es sei eine tolle Erfahrung gewesen, sich mit wirklichen Profis zu messen, erzählt Greco, der es beim Turnier bis ins Viertelfinale schaffte. Wie im echten Fussballspiel gehörten Geduld, Strategie und Taktik dazu, um Erfolg zu haben, verrät er. Mit KI-Gegnern zu trainieren, bringe seiner Meinung nach überhaupt nichts. «Der Computer macht nie einen Fehler», sagt der Experte, der selbst schon einmal einen 1:1-Trainingskurs bei einem Profi-Spieler absolvierte. «Eine Stunde Coaching kostet 140 Franken», berichtet er. Auch sein Ziel ist es, eines Tages seinen Lebensunterhalt mit dem Gamen zu verdienen: «Mein Wunsch ist, dass ein Verein mich unter Vertrag nimmt oder ich Trainer für Anfänger werde», erklärt er. Denn auch Schweizer Vereine heuern zu Marketing-Zwecken Spieler an, die dann mit ihrem Verein in den Online-Ligen antreten.
Familie unterstützt ihn
Und wie geht das als berufstätiger, bald zweifacher Papi ein so zeitintensives Hobby aufrechtzuerhalten? «Meine Frau ist Nanny in einer privaten Familie und kann den Kleinen mitnehmen zum Arbeiten», erzählt Greco. Seine Eltern unterstützen ihn und auch seine Frau akzeptiere, was er mache: «Sie sagt du musst machen, was dir Spass macht». Vor seinem Sohn spiele er ausserdem grundsätzlich nicht, erst wenn dieser bereits im Bett sei. Im Durchschnitt spiele er jeden zweiten Abend, dann aber mindestens drei Stunden, sagt Greco, dessen Bilanz sich sehen lassen kann: 270 Siegen stehen nur 50 Niederlagen gegenüber. Aktuell habe er eine Siegesserie, so Greco. Wer weiss, vielleicht klappt es ja doch noch mit der Profikarriere – wenn auch im digitalen Sport.
Michael Lux

