Silber mit schwerem Herzen
07.08.2026 SportWasserspringen: Einen Tag nach ihrem EM-Erfolg macht die Fislisbacherin Michelle Heimberg öffentlich, dass sie eine Fehlgeburt erlitt
Michelle Heimberg aus Fislisbach macht einen Tag nach dem Gewinn der EM-Silbermedaille in Paris einen persönlichen Schicksalsschlag ...
Wasserspringen: Einen Tag nach ihrem EM-Erfolg macht die Fislisbacherin Michelle Heimberg öffentlich, dass sie eine Fehlgeburt erlitt
Michelle Heimberg aus Fislisbach macht einen Tag nach dem Gewinn der EM-Silbermedaille in Paris einen persönlichen Schicksalsschlag öffentlich. Sie erlitt kurz vor ihrer Abreise nach Frankreich eine Fehlgeburt. Die Fislisbacherin und ihr Partner haben das Baby am Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels verloren.
Die Wasserspringerin Michelle Heimberg, die in Fislisbach aufgewachsen ist, und heute in Aarau lebt, nahm an den Schwimm-Europameisterschaften in Paris teil. Seit 2012 betreibt die Wasserspringerin Heimberg diese Sportart mit grosser Leidenschaft. Sie darf die Schweiz auf internationaler Ebene vertreten. Nun holte Michelle Heimberg in Paris beim Sprung vom 1-Meter-Brett die Silbermedaille. Dieses Edelmetall ist bereits ihre neunte Medaille an kontinentalen Meisterschaften («Reussbote» vom letzten Dienstag). Stolz präsentierte Heimberg an der Siegerehrung vom Sonntagabend ihre Silbermedaille. Was damals noch niemand wusste, macht die Sportlerin am Tag nach dem Gewinn der Medaille öffentlich auf ihrem Instagram-Kanal.
Kurz vor Abreise Fehlgeburt
Es ist eine Geschichte, die weit über den Sport hinausgeht. Mit einer herausragenden Leistung gewann Heimberg Silber. Einen Tag später wurde bekannt, unter welch schweren Umständen dieser Erfolg zustande gekommen ist: Kurz vor der Abreise nach Paris hatte die Athletin eine Fehlgeburt erlitten mit einer anschliessenden Operation.
Von ihrem Schicksal wusste während des Wettkampfs kaum jemand. Statt sich zurückzuziehen entschied sich Michelle Heimberg an der EM teilzunehmen – und zeigte trotz der enormen seelischen Belastung eine beeindruckende Leistung. Die Silbermedaille wurde so zum Symbol für ihren sportlichen Ehrgeiz, aber auch für ihre aussergewöhnliche mentale Stärke.
Mit ihrer öffentlichen Erklärung nach dem Wettkampf macht die Fislisbacherin auf ein Thema aufmerksam, über das oft nur selten gesprochen wird. Viele Frauen erleben eine Fehlgeburt – und dennoch bleibt das persönliche Leid häufig unsichtbar. Ihre Offenheit löste grosse Anteilnahme aus und wurde von vielen als mutigen Schritt gewürdigt.
Dankbar für grosse Unterstützung
Auf ihrem Instagram-Kanal schrieb Heimberg am Tag nach dem Wettkampf: «Gestern stand ich auf dem Podest mit einer Silbermedaille um den Hals. Nicht weil alles in Ordnung war, sondern weil ich von unglaublichen Menschen umgeben war, die mich in jedem einzelnen Moment unterstützt haben. Diese Medaille erinnert mich daran, dass Freude und Trauer in derselben Zeit existieren können, und dass wir zu mehr fähig sind, als wir manchmal glauben.» Die Wassersportlerin macht ihr persönliches Schicksal öffentlich, weil sie glaubt, dass Erfahrungen wie diese, ein Teil des Lebens seien. Eine Fehlgeburt sei etwas, das viele Menschen durchmachen, aber oft still und leise erleben. «Und ich glaube auch, dass die offene Diskussion darüber, anderen helfen kann, sich weniger allein zu fühlen», so Heimberg weiter. «Dieser Moment wäre ohne die unglaubliche Unterstützung meines Partners, meiner Familie, meiner Freunde, meiner Trainerin und allen, die in diesen schweren Tagen an meiner Seite standen, nicht möglich gewesen. Diese Silbermedaille wird mich immer daran erinnern, dass Stärke nicht bedeutet, nie auseinanderzufallen. Manchmal bedeutet es einfach, den nächsten Schritt zu tun.»
Die Silbermedaille von Paris wird nicht nur als sportlicher Erfolg in Erinnerung bleiben. Sie erzählt auch die Geschichte einer Athletin, die in einer der schwersten Phasen ihres Lebens den Mut fand, sich dem Wettkampf zu stellen – und später auch den Mut hatte, über ihren Verlust zu sprechen.
Benedikt Nüssli
Vorzeitiges Aus vom 3-Meter-Brett
Für Michelle Heimberg endete der Wettkampf vom 3-Meter-Brett mit einer Enttäuschung, wie der Verband in einer Mitteilung schreibt. Nachdem sich die Titelverteidigerin am Dienstagnachmittag mit einer überzeugenden Leistung als Dritte für den Final am Abend qualifizierte, musste sie den Medaillenkampf nach dem ersten Sprung vorzeitig beenden.
Die letzten Wochen seien für Heimberg sehr belastend gewesen, so der Verband in seiner Mitteilung. Der Effort vom 1-Meter-Brett hatte Michelle Heimberg jedoch so viel Kraft gekostet, dass ein Wettkampf vom 3-Meter-Brett auf diesem hohen Niveau nicht mehr möglich war. Deshalb hat sie gemeinsam mit ihrem Trainer entschieden, den Final nach dem ersten Sprung zu beenden. (bn/zVg)

