Niederwil: Der Kandelaber beim Kreisel ist verwaist. Die zweite Nestabräumung war für das Storchenpaar zu viel
Für viele war das brütende Storchenpaar das Wahrzeichen des Niederwiler Kreisels. Seit der zweiten Nesträumung blieben sie dem Standort fern. Der ...
Niederwil: Der Kandelaber beim Kreisel ist verwaist. Die zweite Nestabräumung war für das Storchenpaar zu viel
Für viele war das brütende Storchenpaar das Wahrzeichen des Niederwiler Kreisels. Seit der zweiten Nesträumung blieben sie dem Standort fern. Der Kanton hat inzwischen eine neue Nistgelegenheit in Aussicht gestellt.
Inzwischen lebt neben der Pizzeria im Dorf auf der Tanne ein neues Storchenpaar. Zusätzlich brütet ein anderes Paar auf einer Lärche nahe der Reuss. Doch die meisten Niederwilerinnen und Niederwiler trauern dem Storchenpaar nach, das gut sichtbar auf dem Niederwiler Kreisel brütete. Bei den meisten ist der Kreisel auch als «Storchenkreisel» bekannt. Viele waren deshalb entrüstet, als Ende 2021 zum ersten Mal der Horst vom Kandelaber abgeräumt wurde. Die Begründung der AEW Energie AG damals: Der Horst werde für den Kandelaber zu schwer. Zudem müsse das Licht repariert werden. Tatsache ist, dass die Beleuchtung bis heute nicht brennt. Erstaunlicherweise liess sich aber damals das Storchenpaar nicht entmutigen und baute im gleichen Jahr den Horst wieder auf. Zu hören ist, dass damals die heruntergeholten Zweige nicht weggeräumt wurden.
Nestverkleinerung missglückte
Nach nur zwei Jahren musste der Horst des Storchenpaars erneut dran glauben. Der Anstoss kam von besorgten Bürgerinnen und Bürgern. Sie meldeten bei der Organisation «Storch Schweiz» in Selzach, dass sich im Horst ein riesiges Grasbüschel ausbreitet. Gefragt wurde, ob man dieses nicht entfernen könne, damit das Paar wieder mehr Platz im Nest bekomme. Der Bitte sollte nachgekommen und das Nest gleichzeitig verkleinert werden. Der Kanton rückte dafür mit einer Hebebühne an. Dieses Mal sollte mit fachkundiger Aufsicht der «Storchenmutter» Margrith Enggist von Storch Schweiz verhindert werden, dass das Nest komplett entfernt wird. Doch das Vorhaben ging gründlich schief (Ausgabe vom 2. Dezember 2025). Die Störche schienen damals bei der Aktion bereits das schlimmste zu befürchten und umkreisten den Horst während den Arbeiten. Auf Anweisung der Storchenmutter sollte nochmals eine Heugabel mit Nistmaterial entfernt werden. Das war dann aber des Guten zu viel, der gesamte Horst stürzte in die Tiefe. Margrith Enggist sagte darauf tröstend, dass Störche standorttreu seien und ihr Nest schon bald wieder aufbauen würden. Leider bewahrheitete sich dies nicht. Der Kandelaber blieb seit der Aktion verwaist.
Neue Nistmöglichkeit soll kommen
An der Sommer-Gmeind von Niederwil fragte ein anwesender Stimmbürger beim Gemeinderat wegen des Storchenpaars nach: «Die Lampe brennt beim Storchenkreisels trotz des fehlenden Nestes immer noch nicht. Auf dem Kandelaber ist zwischendurch am Abend nur ein einzelner trauriger Storch darauf zu sehen.» Gemeindeammann Norbert Ender antwortete: «Der Kanton will den Storch beim Kreisel wieder ansiedeln. Er wird beim Wegkreuz Richtung Fischbach-Göslikon einen Holzständer aufstellen. Der besorgte Stimmbürger antwortete: «Das ist aber ein schlechter Standort für das Storchenpaar. Im Winter fahren bei Glätte oft Autos ins Kreuz.» Der Gemeindeammann antwortete: «Der Kanton besitzt dort Land. Deshalb wurde der Standort wohl gewählt.» Wann der Ersatzständer aufgestellt wird, ist noch nicht definiert. Die zweite Frage ist, ob die Störche den neuen Nistplatz auch annehmen. Tatsache ist, die Störche in Niederwil lieben es, das Dorfgeschehen aus grosser Höhe zu verfolgen. Und wer weiss, vielleicht findet sich ja nochmals ein Storchenpaar, dass mit einem neuen Nest den Namen des Kreisels wieder rechtfertigt. Gemunkelt wird, dass kein Nest mehr gebaut wurde, da ein Halterungsring fehle. Das Nest finde deshalb auf der glatten Oberfläche des Kandelabers keinen Halt mehr. Der Ring sei wohl übereifrig vom Kanton mit samt dem Nistmaterial abtransportiert worden.
Debora Gattlen