Swissgrid weiss: Mit Einsprachen ist zu rechnen
16.01.2026 NiederwilDer Netzwerkbetreiber Swissgrid informiert über die öffentliche Auflage zur geplanten Starkstromleitung im Reusstal
Swissgrid spricht von einem Meilenstein. Im Februar wird das Plangenehmigungsdossier öffentlich aufgelegt. Geichzeitig sucht der Netzwerkbetreiber den Dialog ...
Der Netzwerkbetreiber Swissgrid informiert über die öffentliche Auflage zur geplanten Starkstromleitung im Reusstal
Swissgrid spricht von einem Meilenstein. Im Februar wird das Plangenehmigungsdossier öffentlich aufgelegt. Geichzeitig sucht der Netzwerkbetreiber den Dialog mit der Bevölkerung an Info-Anlässen.
Ein wichtiger Meilenstein ist erreicht.» Mit diesen Worten eröffnete Sandra Bläuer, zuständig für die Projektkommunikation, die Medienkonferenz im Besucherzentrum des Netzwerkbetreibers Swissgrid in Niederwil. In den Monaten Februar und März erfolgt während 30 Tagen die öffentliche Auflage des Bauprojektes «Erneuerung Höchstspannungsleitung Niederwil-Obfelden». Laut Siwssgrid werden die genauen Daten in den amtlichen Publikationsorganen sowie auch auf der Projektwebsite swissgrid.ch/niederwil-obfelden bekannt gemacht.
Das Projekt umfasst eine über 18 Kilometer lange Stark- oder Höchstspannungsleitung (380 Kilovolt), welche die bisherige Hochspannungsleitung (220 Kilovolt) zwischen Niederwil und Obfelden ersetzen soll. Vor allem aber soll sie die Versorgungssicherheit stärken und die Transportkapazität auf dem heutigen Engpass zwischen Beznau im Aargau und Mettlen im Kanton Luzern auf der Nord-Süd-Achse steigern. «Dieses Teilstück ist das letzte fehlende Puzzleteil bei der Übertragung mit 380 Kilovolt vom Norden in den Süden», sagt Bläuer.
Weiter weg vom Siedlungsgebiet
Der Bundesrat hatte im Jahr 2022 den Planungskorridor und die damit verbundene Übertragungstechnologie für die Leitung Niederwil-Obfelden festgesetzt. «Wir bleiben in diesem Korridor», erklärt Matthias Schmid, Mitglied des Projektteams, «aber wir entfernen uns deutlich vom Siedlungsgebiet.» Das entlaste die Gemeinden, heisst es bei Swissgrid. Es entlastet auch Niederwil. «Wichtig war eine siedlungsverträgliche und dennoch möglichst landschaftsschonende Leitungsführung», sagt Schmid. Die Leitung wird weiter westlich geführt, oft im Wald, auch bei Niederwil. 35 neue Masten – weniger als heute, wo zwischen Niederwil und Obfelden 49 Masten stehen. Sie werden zwischen 50 und 89 Meter hoch. Im Wald sind es 80 Meter, um kantonale Vorgaben zur Waldaufwuchshöhe einzuhalten. Sobald die neue Leitung in Betrieb ist, wird die bisherige zurückgebaut.
Freileitungen kosten weniger
Die Höchstspannungsleitung ist grösstenteils als Freileitung geplant. Lediglich auf einem 4,4 Kilometer langen Abschnitt beim Naturschutzgebiet «Stille Reuss», zwischen Besenbüren und Jonen, werden die Kabel unter die Erde verlegt.
Swissgrid setzt aus mehreren Gründen auf Freileitungen. Da sind zunächst die Kosten. Die geplante Höchstspannungsleitung zwischen Niederwil und Obfelden wird 97 Millionen Franken kosten. «Der Kilometer Erdkabel kostet sechsmal so viel wie der Kilometer Freileitung», erklärt Mediensprecher Jan Schenk. Komplexer und zeitintensiver seien auch das Beheben von Schäden. Reparaturen könnten bei der Freileitung innert einem Tag erledigt werden, während sie bei der Erdverkabelung Wochen dauern.
Der Netzwerkbetreiber setzt auf den «Freileitungsgrundsatz», den Swissgrid als essenziell für die Beschleunigung der Verfahren betrachtet.
Swissgrid: «Der optimale Fall»
Ohne Einsprachen rechnet Swissgrid mit einem Bewilligungsverfahren von zwei Jahren. Der Bau der neuen Leitung könnte dann ab 2028 bis 2031 erfolgen. Ab 2032 würde die alte Leitung zwei Jahre lang zurückgebaut. «Es handelt sich um den optimalen Fall», sagt Sandra Bläuer. «Denn bei unseren Projekten kommt es in der Regel zu Einsprachen.»
Mit Widerstand ist auch im Reusstal zu rechnen. Dessen ist man sich bei Swissgrid bewusst. Denn in der Region ist die Übertragungstechnologie «Freileitung» höchst umstritten. Der Verein Verträgliche Starkstromleitung Reusstal (VSLR) kämpft seit vielen Jahren für die Verlegung der Kabel unter die Erde. Auch Gemeinden könnten sich gegen die Freileitungen wehren. Die Netzbetreiberin Swissgrid wiederum rechnet für jede Einsprache mit einer zeitlichen Verzögerung von zwei Jahren.
Heidi Hess
Starkstromleitung: Informationsanlässe
Vor der öffentlichen Auflage des Plangenehmigungsdossiers führt Swissgrid mehrere «Dialoganlässe» durch. Bei diesen Informationsveranstaltungen will sie das Bauprojekt vorstellen und Fragen beantworten. Das Swissgrid-Besucherzentrum in Niederwil an der Göslikerstrasse 6a ist an verschiedenen Tagen für alle Interessierten geöffnet – eine Voranmeldung ist nicht nötig.
Informationsanlässe:
Donnerstag, 5. Februar, 15 bis 20 Uhr,
Mittwoch, 11. Februar, 8 bis 14 Uhr,
Montag, 16. Februar, 15 bis 20 Uhr,
Samstag, 21. Februar, 8 bis 14 Uhr,
Mittwoch, 25. Februar, 15 bis 20 Uhr.
(hhs)


