Unternehmer, Künstler, Töffsammler
22.05.2026 NiederwilNesselnbach: Porträt eines Unermüdlichen – Guido Hufschmid ist kein bisschen altersmüde und sprudelt vor Ideen Guido Hufschmid ist über seine Wohngemeinde Niederwil hinaus ein bekannter Mann. 1993 gründete er sein eigenes Unternehmen für Grüngutverwertung ...
Nesselnbach: Porträt eines Unermüdlichen – Guido Hufschmid ist kein bisschen altersmüde und sprudelt vor Ideen Guido Hufschmid ist über seine Wohngemeinde Niederwil hinaus ein bekannter Mann. 1993 gründete er sein eigenes Unternehmen für Grüngutverwertung im Ortsteil Nesselnbach, wo er auch mit seiner Familie wohnt. Den Landwirtschaftsbetrieb hat er vor 15 Jahren an seine beiden Söhne übergeben, hilft aber tatkräftig weiter mit. Er ist ein passionierter Schwimmer, ein sozial engagierter Mensch – und ein Künstler. Seine Holzfiguren zieren beispielsweise den Kreisel in Tägerig. Doch wer ist Guido Hufschmid wirklich? Er erlaubte uns einen Blick hinter die Kulissen, erzählte von seiner nicht immer einfachen Jugend. Von Kindesbeinen an hat er gelernt, hart zu arbeiten und ist auch mit den 69 Lenzen, die man ihm nicht ansieht, immer noch sehr aktiv – sei es in der Natur, im Sport oder bei einem seiner Hobbys. Dazu gehört seine Sammlung von historischen Motorrädern, die er eigenhändig restauriert (unser Bild).
Er sitzt auf einem Motorrad der britischen Marke Ariel mit Seitenwagen aus dem Jahr 1941. Ein Kollege entdeckte es, zerfallend, in einer Garage im ehemaligen Jugoslawien. Hufschmid kaufte und restaurierte es. (mbe)
Niederwil: Guido Hufschmid ist Unternehmer, Künstler, Sportler und Naturliebhaber – Porträt eines Mannes, der immer in Bewegung ist
«Ich war immer neugierig und technikbegeistert» Guido Hufschmid (69) ist in bescheidenen Verhältnissen mit sieben Geschwistern in Nesselnbach aufgewachsen und lernte früh zu «chrampfen». Mit 22 übernahm er den elterlichen Hof, später gründete er mehrere Unternehmen. Aber das ist nur eine seiner vielen Lebens-Aktivitäten.
Dorfschüür» heisst das schmucke weisse Bauernhaus im Dorfkern von Nesselnbach mit der schönen Treppe. Statt einer Klingel gibt es einen metallenen Türklopfer in Handform. Originell – wie vieles in der Familie von Guido Hufschmid. Klopf, Klopf, Sohn Christian öffnet die Türe und alsbald taucht der Vater auf. Danach setzt sich der Reporter mit Guido Hufschmid in eine Art verglastes Gartenhaus im Garten. Schön idylisch hier... Das Häuschen hat er selbst umgebaut und mit einem Pizzaofen versehen. «Ja, ich habe fast alles selbst gebaut», sagt Hufschmid. Aber fangen wir von ganz vorne an: Im Februar 1957 kommt Guido Hufschmid im Spital Muri zur Welt. Als Bauernsohn und als fünftes von acht Kindern. Vor ihm schenkte seine Mutter, die aus der Romandie stammte, seinen vier älteren Brüdern das Leben. Dann kam er, später folgten seine beiden Schwestern und sein jüngster Bruder Bruno. Es gab damals im ländlichen Nesselnbach noch 16 Bauern mit Milchkühen. Heute existieren noch zwei Bauernhöfe mit Tieren, wobei der 250-jährige Mattenhof der Familie Hufschmid einer davon ist.
Als Kinder auf dem Hof mitgeholfen
«Wir lebten in meiner Kindheit bescheiden», erinnert sich Guido Hufschmid, «die Mutter lismete uns Handschuhe und Pullover und wir gingen in Gummistiefeln zur Schule.» Früh halfen die Kinder auf dem Hof mit, wie es üblich war. «Der Vater war nebenberuflich Akkord-Holzer und fällte Bäume. Wir lasen die Äste für die Staudenproduktion auf und froren dabei an die Finger. Pro Tag erhielten wir 50 Rappen.» Auch fürs Mäusejagen im Dorf gabs etwas Geld, wie Hufschmid dieses Jahr am Neujahrsapéro von Niederwil in seiner humorvollen Art erzählte. Es war eine andere, einfachere Welt. «Wir haben auch jede Menge Seich gemacht», erinnert er sich. Beispielsweise schlittelten sie wild die Dorfstrasse hinunter, ohne Halt über die Hauptstrasse drüber und ins Gnadenthal hinunter. «Damals fuhren nur wenig Autos, aber zum Glück ist nie etwas passiert», sagt der Interviewpartner. Die Jungs spielten Eishockey auf dem zugefrorenen Löliweiher, fischten unerlaubt im Militärweiher und frisierten ihre Töffli. Guido Hufschmid hatte als Jugendlicher ein Bonanza mit einem Sachs-Motor. Auf die Frage, ob er eine glückliche Kindheit hatte, sagt er nachdenklich, seine Jugend sei schon sehr früh mit viel Arbeit verbunden gewesen. Da seine älteren Brüder in der Lehre waren und seine Schwester der Mutter zur Hand ging, war er mit 12 Jahren der einzige, der dem Vater helfen konnte. «Ich sass damals schon auf dem Traktor.» Manches Mal seien ihm die Tränen gekommen, als er mit den Arbeiten nicht nachkam. Auch liess man ihn und die Nesselnbacher Knaben in der Schule in Niederwil manchmal spüren, dass sie Bauernsöhne waren, kritisierte ihre schulischen Leistungen und dass sie manchmal nach Kuhstall rochen.
Gesunden Ehrgeiz entwickelt
Doch Guido Hufschmid hat, trotz oder gerade wegen alldem, einen gesunden Ehrgeiz im Leben entwickelt. Er hat sich, wie alle seine Brüder, selbstständig gemacht und war Spitze im Turnen, Ringen und in anderen Sportarten. Im Beruf hat ihm sein technisches Talent geholfen. «In der landwirtschaftlichen Schule in Muri, welche ich in der Lehre besuchte, hatte ich eine 6 in Maschinentechnik. Ich war auch immer neugierig und wollte Neues ausprobieren.» Das sollte ihm im späteren Leben zugute kommen. Zudem ist er ein Handwerker. In der Jugend half er auf dem elterlichen Hof, im Winter arbeitete er auf dem Bau, beim Baugeschäft Gauch in Niederwil. Damals lernte er das Bauhandwerk. «Ich habe bei uns jeden Umbau selbst gemacht, den Stall, den Hühnerstall. Mit 22 Jahren erstellte ich mit meinem Bruder Martin zusammen sein Einfamilienhaus in Hermetschwil.» In diesem Alter übernahm Guido Hufschmid auch schon den Bauernhof und startete mit Vollgas im Betrieb.
Es funkte im Wohler Blumenladen
Er blieb nicht lange alleine. Dazu eine Anekdote: Seine spätere Frau Brigitte machte die Lehre in einem Blumenladen in Wohlen. Hufschmid holte einen Brautstrauss für die Hochzeit seines Bruder Roman ab. «Die hübsche Verkäuferin bedankte sich, dass ich den Strauss abgeholt hatte. Ich sagte zu ihr: Das nächste Mal hole ich dich ab», erinnert er sich. Es ging aber noch eine Weile, bis es funkte – das war an der Abendunterhaltung einer Springkonkurrenz in Bremgarten. 1981 heirateten Guido und Brigitte Hufschmid, 1982 wurde der erste Sohn, Christian geboren, Andreas folgte. «Wir haben ein Riesenglück mit ihnen. Sie leben beide hier», sagt Hufschmid. «Bereits vor 15 Jahren haben wir den landwirtschaftlichen Betrieb an Sohn Andreas übergeben.» Beide Söhne arbeiten aber im Betrieb. Sie lernten zuerst Polymechaniker. Andreas hat die landwirtschaftliche Schule und die Handelsschule absolviert. Christian ist Wirtschaftsprüfer und kümmert sich um die Buchhaltung.
Grüngutverwertung begonnen
1993 kam Guido Hufschmid auf die Idee, in die Grüngutverwertung als Geschäftszweig einzusteigen. Damals war in Stetten ein Kompostierwerk geplant. Dieses kam jedoch nicht zustande. Also sprang er als Unternehmer in diese Lücke. Früher habe man pflanzlichen Abfall in Gruben oder im Wald entsorgt, sagt er. Danach kamen die ersten Kurse für Feldrandkompostierung. Heute arbeiten rund zehn Angestellte für das Unternehmen. Zusammen mit Werner Humbel betreibt er auch die Biogas-Anlage in Niederwil und hat weitere Firmen gegründet. Guido Hufschmid hilft im landwirtschaftlichen Betrieb des Sohnes mit. Er bezeichnet sich selbst als einen frühen «Öko-Fetischisten». «Mir war es immer wichtig, naturnahe zu produzieren. Darum haben wir schon vor 20 Jahren Hochstammbäume gesetzt und 2016 eine grosse Solaranlage über der Komposthalle erstellt.» Natürlicher Kompost eigne sich als Düngerersatz in der Landwirtschaft und verbessere den Boden. «Auch die Biogasproduktion ist ökologisch wichtig.» Guido Hufschmid sensiblisiert auch seine vier Enkel für die Natur und pflegt mit ihnen den Wald. «Wir haben 26 Vogelhäuschen gebaut und diese auf dem ganzen Betrieb verteilt, sodass sich alle möglichen Vogelarten ansiedeln können.»
Doch, was wäre ein Porträt, das nicht die Sache benennt, für die Hufschmid weit herum bekannt ist: Seine Kunst. Es gibt kaum einen Ort in Nesselnbach und Umgebung, wo keine Holzskulptur von ihm steht. Die Bekannteste ist die Skulpturengruppe, welche den Kreisel auf der Kantonsstrasse in Tägerig schmückt und die alte Gnadenthaler Eisenbrücke zum Thema hat. Er hat diese zusammen mit seinem Bruder Martin geschaffen. Seine Figuren stehen auch an vielen anderen Orten und machen vielen Freude. Es sind oft Tiere, Vögel, witzige Zauber- und Fantasiewesen. Der Künstler stellt sie mit der Motorsäge aus Holzstämmen her, welche er im Wald fällt. Beim Freilichtheater «Der Krug-Geist von Gnadenthal» führte Guido Hufschmid Regie beim Bau der Kulissen. Und demnächst darf er einen weiteren Kreisel in der Region dekorieren, das ist jedoch «topsecret».
Guido Hufschmid hält sich mit Schwimmen fit. Zudem leitet er – ein weiteres Hobby von ihm – seit 20 Jahren das Schwimmen des Behinderten-Sportclubs Wohlen-Lenzburg. Er sei halt immer in Bewegung und immer schnell unterwegs. «Das habe ich von meiner Mutter geerbt.» Woher nimmt der Mann all die Energie, fragt man sich unweigerlich? «Meine Frau bezeichnet mich manchmal als Duracel-Männchen.» Er habe sein Leben lang Sport getrieben, damit die Vitalität stimme und seine Frau koche gut. Er hatte aber auch Krisen. Mit 40 litt er einmal an Weichteilrheuma, erzählt er. «Ich lief herum wie der Glöckner von Notre Dame.» Danach stellte er seine Ernährung ein ganzes Jahr lang auf Gemüse, Früchte und Salat um. Danach ging es ihm wieder gut.
Marc Benedetti













