Fislisbach: Vor vier Jahren begann Stefan Peterhans auf dem Eichhof mit dem Anbau von Knoblauch zu tüfteln und zu experimentieren
Eigentlich ist das Reusstal kein Anbauland für Knoblauch. Stefan Peterhans ignorierte skeptische Stimmen und baut heute 10 Aren Knoblauch an. ...
Fislisbach: Vor vier Jahren begann Stefan Peterhans auf dem Eichhof mit dem Anbau von Knoblauch zu tüfteln und zu experimentieren
Eigentlich ist das Reusstal kein Anbauland für Knoblauch. Stefan Peterhans ignorierte skeptische Stimmen und baut heute 10 Aren Knoblauch an. Mit Erfolg! Diesen Sommer konnte er zum zweiten Mal auf eine gute Ernte blicken.
as Stefan Peterhans seit einigen Jahren anbaut, dürfte wohl durchaus Vampire in grosser Zahl abschrecken – sofern man sich denn an den Volksglauben halten will. Denn auf dem Eichhof lagert eine grosse Menge an Knoblauch. Peterhans aber lacht, winkt ab und sagt: «Auch bevor wir Knoblauch anpflanzten, gab es hier keine Vampire.» Er habe sich für diese Knolle entschieden, weil er nicht dasselbe anbauen wollte wie alle anderen. «Weder Mais noch Weizen», sagt er. Und auch, weil in der Familie alle Knoblauch mögen. Wenn er jedoch im Kollegen- und Freundeskreis von seiner Idee erzählte, rieten ihm die meisten ab. Die Wetterbedingungen seien hier nicht ideal, Knoblauch möge keine Nässe, gedeihe am besten in sonnigen und durchlässigen Böden. Im warmen Süden. Peterhans hingegen ignorierte die Skeptiker. Zu Recht, wie es scheint. Sogar im nassen Sommer 2024 sei die Ernte gut ausgefallen, sagt er und schiebt nach: «Ich finde die Bedingungen hier nicht so schlecht.»
Erstes Tüfteln im Gemüsebeet
Bis heute bereut er nicht, dass er vor vier Jahren anfing, im eigenen Gemüsebeet mit Knoblauch zu tüfteln. Auf einer kleinen Fläche setzte er einige Zehen in die Erde. Bereits die erste Garten-Ernte war ein Erfolg und Peterhans war zufrieden. Er wiederholte die Prozedur, erneut auf kleiner Fläche. Nach zwei Jahren Testen und Experimentieren bestellte er Knollen im grossen Stil und setzte im Herbst 2024 auf dem Hof der Familie auf insgesamt 10 Aren Knoblauchzehen in den Boden. Er liess den einzelnen Zehen Platz. Auch das ein Versuch: «Vielleicht werde ich die Zehen nächstes Mal sogar noch weiter auseinander setzen, dann bleibt ihnen im Boden mehr Platz zum Wachsen», meint er. Die Erfahrung habe gezeigt, dass sich das lohne. Genau deshalb macht ihm diese Arbeit so viel Spass: «Ich erlebe, was ich mit meiner Arbeit bewirken und von eigener Hand aufbauen kann.»
Stefan Peterhans setzt, jätet, wässert und erntet den Knoblauch in seiner Freizeit. Er arbeitet aber eigentlich Vollzeit als Maschinist bei Gemüse Käser AG in Birmenstorf. Auch dort kümmert er sich auf den Gemüsefeldern um die Bearbeitung des Bodens. Sein Arbeitgeber wiederum unterstützt seine Leidenschaft und ist ausserdem sein Hauptabnehmer – vor allem die frischen Knollen bringt Gemüse Käser in den Verkauf. Denn der Birmenstorfer Gemüseproduzent baut selbst keinen Knoblauch an. Peterhans kann auch auf einige Hofläden in der Region setzen.
«Ohne sie ginge es nicht»
Weil der Knoblauch-Anbau letztlich Hobby ist, ist der 28-Jährige froh um die Hilfe von Familie und Verwandten. «Ohne sie ginge es nicht», äussert er sich dankbar. Vom Setzen im September bis zur Ernte im Juni ist der Aufwand gross. Geerntet wird von Hand. «Man läuft einige Male durch die Kultur, schätzt am Kraut die Grösse ein und prüft die Knollen dann von Hand.» Die Ernte war gut. Auf dem Eichhof sind Knollen in grosser Menge zum Trocknen ausgelegt. Schon jetzt hat Stefan Peterhans die Planung zum Anbau bis ins Jahr 2032 ausgedehnt, unter Berücksichtigung von Fruchtfolgen – in sieben Jahren darf nur zweimal auf dem gleichen Boden Knoblauch gesetzt werden. Dieses Jahr sei die grosse Herausforderung aber das Bewässern gewesen, erklärt er. Manchmal erhielt er sein «Wasserfenster», beziehungsweise das von der Gemeinde zugewiesene Wasserkontingent, erst spät abends. Dann musste er um Mitternacht aufstehen, um die Bewässerungsanlage wieder abzustellen. Diesen Aufwand aber ist ihm die Knolle wert.
Heidi Hess