Weiterentwicklung des Dorfes mit Mass möglich
13.03.2026 NiederwilNiederwil: Gemeinderat lädt die Bevölkerung ein, sich zum Entwurf der Nutzungsplanung zu äussern – das Mitwirkungsverfahren startet am Montag
Die Gesamtrevision der Nutzungsplanung Siedlung und Kulturland ist nach 1,5 Jahren Arbeit abgeschlossen. Ab 16. März ...
Niederwil: Gemeinderat lädt die Bevölkerung ein, sich zum Entwurf der Nutzungsplanung zu äussern – das Mitwirkungsverfahren startet am Montag
Die Gesamtrevision der Nutzungsplanung Siedlung und Kulturland ist nach 1,5 Jahren Arbeit abgeschlossen. Ab 16. März können die Niederwiler sich im Rahmen eines Mitwirkungsverfahrens zum Entwurf äussern.
Das ist ein relativ trockenes Thema», eröffnete der Niederwiler Gemeindeammann Norbert Ender die Medienorientierung zur abgeschlossenen Nutzungsplanung. 100 Seiten stark ist der Planungsbericht dazu. Online liest er sich leichter, er wird demnächst auf der Gemeinde-Website aufgeschaltet. Zum baldigen Start des beginnenden Mitwirkungsverfahrens informierten Ender und Paul Keller vom Büro «Arcoplan klg Ennetbaden» über die wichtigsten Punkte der Revision. Diese war nötig, weil die aktuelle Nutzungsplanung von 2009 stammt und sich Gesetze geändert haben. Die Basis für die Revision bildete eine Analyse der Situation und das Räumliche Entwicklungsleitbild, in dem vor 1,5 Jahren Ziele für Niederwils Entwicklung definiert wurden. Zur Begleitung der Planungsarbeiten setzte der Gemeinderat eine breit abgestützte Planungskommission ein. Sie habe insgesamt 23 Sitzungen abgehalten, erklärte Norbert Ender. Mit besonders von Regelungen betroffenen Grundeigentümern wurden Gespräche geführt.
Mitwirkung und Vorprüfung
Nun liegt die Nutzungsplanung im Entwurf vor. Im Mitwirkungsverfahren kann sich die Bevölkerung vom 16. März bis zum 31. Mai zum Resultat äussern. «Die Bevölkerung ist eingeladen, ihre Inputs zu geben, zum Ganzen oder zu Teilen und mitzudiskutieren», so Ender. Parallel hat die Gemeinde den Entwurf beim Kanton zur Vorprüfung eingereicht. «Wir haben die Möglichkeit geschaffen, dass sich Niederwil baulich weiterentwickeln kann, aber mit Augenmass», sagt der Gemeindeammann zum Ziel der Revision.» Die Bevölkerung wünsche kein grosses Wachstum. Mit der Natur, der Landwirtschaft und der Landschaft solle sorgfältig umgegangen werden. Bei der Bevölkerungsentwicklung geht Niederwil von 3500 Einwohnerinnen und Einwohnern als Zielgrösse aus und liegt damit bereits über der Prognose des Kantons; Ende 2015 lebten 3051 Personen in der Gemeinde. Angst vor einem Bauboom in Niederwil muss aber niemand haben. «Es wird kein Land neu als Bauland eingezont», machte Norbert Ender klar. Das Stichwort heisst «Entwicklung nach innen», also eine Verdichtung innerhalb der Bauzonen. Die Grundbesitzer werden etwas mehr Flexibilität bei der Ausnützung, den Gebäudehöhen und Grenzabständen erhalten.
Einheimische Pflanzen erwünscht
Die Gemeinde erhöht gleichzeitig die Anforderungen an die Qualität der Siedlungsentwicklung. Es gibt Vorgaben zur Gestaltung von Gebäuden und Dachlandschaften, zur Umgebungsgestaltung – oder zur Bepflanzung. «Wir möchten mehr einheimische Pflanzen», sagte der Gemeindeammann. «Schottergärten werden wir aber nicht verbieten.» Ein besonderes Augenmerk gilt der Stärkung des Dorfkerns. Das Zentrum erhält neu eine eigene «Dorfkernzone», welche die ortsbaulichen und architektonischen Qualitäten sichern soll. Niederwil will seinen dörflichen Charakter behalten und gleichzeitig ein attraktives Zentrum mit Gewerbe und Restaurants bieten. Schützenswerte Gebäude bleiben weiterhin geschützt. Für besondere Gebiete wurden die Zonenvorschriften präzisiert. Das gilt für den Reusspark oder das «heikle» Gebiet Schellenwerk. Die Vorschriften tragen den bestehenden Nutzungen Rechnung und stellen gleichzeitig eine sorgfältige Einbettung in die Landschaft sicher. Die Institution Reusspark braucht bauliches Entwicklungspotenzial. Eine Ausdehnung ist jedoch kein Thema. Aber vielleicht wird der Ersatz bestehender Gebäude in Zukunft aktuell. Im Gebiet Schellenwerk habe man mehr Planungssicherheit für die Unternehmen mit ihren rund 100 Arbeitsplätzen geschaffen.
Arbeitszonen bleiben erhalten
Die bestehenden Arbeitszonen für Gewerbe und Industrie in Niederwil bleiben erhalten. Es geht um die Arbeitsplätze und weiterhin einen ausgewogenen Nutzungsmix in der Gemeinde zu ermöglichen. Die Wohnnutzung im Gebiet Fendler, welche in der Vergangenheit zu Konflikten geführt hat, wurde auf eine neue rechtliche Basis gestellt. Neue Wohnungen sind in Gewerbegebieten aber keine vorgesehen. Im «Kulturlandplan», der ebenfalls revidiert wurde, sind die bestehenden Schutzgebiete und Schutzobjekte überprüft und entsprechend übergeordneten Vorgaben festgelegt worden. Der sogenannte Siedlungstrenngürtel zwischen Niederwil und Nesselnbach mit den Obstgärten bleibt bestehen; die Ortsteile sollen nicht zu einem «Siedlungsbrei» zusammenwachsen.
Ebenso wurden die Vorgaben zum Gewässerschutz und zum Hochwasserschutz umgesetzt. Die Reusslandschaft beispielsweise ist national geschützt. Fazit: «Aus Sicht des Gemeinderats liegt nun eine ausgewogene Planung vor, die zwingend umzusetzende, übergeordnete Vorgaben enthält, den Betroffenen aber auch angemessene Handlungsmöglichkeiten offenlässt», heisst es in einem Dokument.
Marc Benedetti
Am Donnerstag, 26. März, wird die Niederwiler Bevölkerung an einer öffentlichen Informationsveranstaltung umfassend orientiert.

