Wenn er auf der Bühne steht, fühlt er sich frei
22.05.2026 FislisbachFislisbach: Sänger Yannis Humbel lebt für die Musik, die für ihn auch ein bisschen Therapie ist. Er steht am Anfang einer vielversprechenden Karriere
Seinen nächsten grossen Auftritt hat Yannis Humbel mit seiner Band demnächst beim Dorffest in Fislisbach. ...
Fislisbach: Sänger Yannis Humbel lebt für die Musik, die für ihn auch ein bisschen Therapie ist. Er steht am Anfang einer vielversprechenden Karriere
Seinen nächsten grossen Auftritt hat Yannis Humbel mit seiner Band demnächst beim Dorffest in Fislisbach. Musikalisch ist der 21-Jährige ein Tausendsassa. Er singt im «Together»-Chor in Mellingen, begleitet Hochzeiten und Beerdigungen, organisiert Benefizkonzerte und besucht aktuell eine Musicalschule.
Kaum zu glauben, dass dieser baumlange junge Mann erst 21
Jahre alt ist – und doch schon so viel musikalische Erfahrung mitbringt. Trotz seiner imposanten Statur wirkt Yannis Humbel im Gespräch im Café Alexanders in Fislisbach zunächst ein wenig schüchtern, beinahe scheu. Eigentlich sei er eher introvertiert, gibt er zu. «Sobald ich auf der Bühne stehe, ist das weg. Dann fühle ich mich frei», erzählt er. «Im Alltag gibt es viele Regeln, auf der Bühne habe ich die Erlaubnis, ich selbst zu sein», beschreibt er seine Gefühle beim Singen. Auch die positive Resonanz des Publikums gibt ihm Auftrieb. «Ich will ein Entertainer sein!», sagt er später, als es um seine Zukunftspläne geht, im Brustton der Überzeugung.
Musik hat ihn stets umgeben
Das war nicht immer so. Früher habe er nie daran gedacht, einmal professionell Musik zu machen, berichtet Yannis, der in Niederwil aufgewachsen ist. Zunächst habe er nur für sich gesungen – so wie seine aus Jamaika stammende Mutter, die sein Vater, ein grosser Reggaefan, einst im Urlaub auf der Karibikinsel kennenlernte. «Meine Eltern hören eigentlich ständig Musik», erzählt Yannis. Aber nicht nur Bob Marley lief zu Hause rauf und runter. «Mein Vater hört auch viel Elvis. Ich habe das aufgesogen», so der Bariton. Von der Stimmlage her ähnle er dem Rock-Idol sogar, findet er. Seine «öffentliche» Gesangskarriere begann Yannis Humbel schliesslich im Schulchor in Mellingen, dem er in der Oberstufe beitrat. Chorleiter Antonio Mele wurde später auch sein musikalischer Mentor. Beim Schulabschluss-Konzert durfte Yannis dann das erste Mal überhaupt solo vor Publikum singen: «Piano Man» von Billy Joel. Zunächst kostete ihn das einige Überwindung, er zweifelte noch an seinem Talent, im Nachhinein war es aber ein Schlüsselmoment: «In diesem Moment merkte ich, ich will das weitermachen», erzählt Yannis, der neben Elvis und Billy Joel auch gerne Lieder von Elton John, Queen oder sogar Falco zum Besten gibt. Auch Country mag er, vor allem Klassiker von Johnny Cash. Und natürlich Musik der 1970er- und 1980er-Jahre. Da sei er ein wenig «Oldschool», schmunzelt er.
Vom Chorkonzert bis Musical
Nach dem Schulabschluss verfolgte der angehende Sänger sein musikalisches Ziel weiter. Er trat dem Pop & Rock Chor «Together» in Mellingen bei, ebenfalls unter der Leitung von Antonio Mele. Bis heute singt er dort mit und probt jede Woche. Die Chor-Mitglieder sind längst eine zweite Familie geworden. Viel umjubelt waren auch seine Solo-Einlagen im vergangenen Jahr beim Konzert des 100-köpfigen Musik-Mammutprojekts «Pop-Orchestra», bei dem die Musikgesellschaft Dottikon, der Orchesterverein Dottikon sowie die Band «Fools Paradise» und der Rockund Pop-Chor «Together» gemeinsam in Mellingen auftraten. Unvergessen sein gefühlvoller Gesang bei der Ballade «Music» von John Miles («Reussbote» 4. November 2025).
Auch Musical-Luft konnte Yannis bereits schnuppern. 2023 sang und spielte er beim Graphic Musical «The Copyright Girl» in Wettingen mit. «Sie haben ein Video von mir gesehen und mich angefragt», erzählt Yannis, der beim Musical in mehrere Rollen schlüpfte – mal war er Pfarrer, mal Pokerspieler und einmal ein Gangster. Für ihn eine tolle Erfahrung, mit Theater- und Musical-Profis auf der Bühne zu stehen: «Es hat mir auch Mut gegeben, auf der Bühne zu tanzen», fügt er an. Sein erstes selbst organisiertes Konzert gab Yannis 2024 in der «Schnüzi Schür» in Fischbach-Göslikon: Nur er und der Mann am Klavier – natürlich Antonio Mele. «Wir haben Flyer verteilt und es gab eine Spendenaktion für die Theodora Stiftung», erinnert sich der 21-Jährige. Seit anderthalb Jahren tritt er auch mit einer siebenköpfigen Begleitband, bestehend aus Musikern der Band «Fools Paradise» und regionalen Musikern, auf. Parallel kann man ihn solo für Hochzeiten und Beerdigungen buchen.
Er kommt aus seiner Komfortzone
Neben Gesangs- und Klavierunterricht sowie Band- und Chorproben studiert der Sänger im zweiten Jahr an der privaten Musical- und Theaterschule «SAMTS» in Adliswil (ZH). «Die Schule ist nicht nur eine Musicalschule, sondern auch eine Lebensschule», betont Yannis Humbel. Bei den Improvisationen muss er seine eigenen Gefühle in sein Spiel einbauen. Es gebe sogar ein eigenes Fach namens «Enthemmen», erzählt Yannis, der sich zwar gut vorstellen kann, später einmal in Musicals oder Theaterstücken zu spielen.
Doch am liebsten möchte er hauptberuflich Sänger sein. «Mein Wunsch ist es, dass ich davon leben und weiterhin die Menschen unterhalten kann», erklärt er. Und dann kommt der Satz, bei dem seine Augen zu leuchten beginnen: «Ich möchte Entertainer sein!». Dass er dazu geboren wurde, spürt jeder, der ihn einmal live gesehen hat. Dann verwandelt sich der etwas schüchterne junge Mann in einen Sänger mit jeder Menge Leidenschaft. Das nächste Mal überzeugen kann man sich davon bei den Auftritten vom 3. bis 6. Juni am Dorffest in Fislisbach.
Michael Lux



