Wohlen kann im Sommer nicht liefern
18.08.2026 NiederwilNiederwil: Auch Niederwil ruft, wie alle Gemeinden, zum Wassersparen auf – trotz Notwasserleitung von Wohlen
Der Netzverbund von der Hochzone Wohlen zum Niederwiler Reservoir Moos ist seit zwei Jahren in Betrieb. Wasser fliesst aber nur im Winter durch die ein Kilometer ...
Niederwil: Auch Niederwil ruft, wie alle Gemeinden, zum Wassersparen auf – trotz Notwasserleitung von Wohlen
Der Netzverbund von der Hochzone Wohlen zum Niederwiler Reservoir Moos ist seit zwei Jahren in Betrieb. Wasser fliesst aber nur im Winter durch die ein Kilometer lange Leitung nach Niederwil.
Der Netzverbund von Wohlen nach Niederwil wurde Ende 2024 als Überbrückung bis zur Realisierung der Ringwasserleitung Wasser 2035 in Betrieb genommen. Dafür wurde eine ein Kilometer lange Transportleitung erstellt. Die IB Wohlen AG sichert die Lieferung einer jährlichen Bezugsmenge von 180 000 Kubikmeter Wasser zu. Dies entspricht circa einem Drittel des Jahresverbrauchs der Gemeinden Niederwil und Fischbach-Göslikon. Beim Kreditantrag an den Wintergemeinden 2023 von Niederwil und Fischbach-Göslikon wurde den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern erklärt, dass die Überbrückungslösung wegen der klimatischen Entwicklungen nötig sei. Mit der Notwasserleitung könne das Risiko einer weiteren Übernutzung des Grundwasservorkommens und den damit verbundenen Bezugsbeschränkungen minimiert werden. Einige Stimmbürgerinnen und Stimmbürger gingen davon aus, dass Wasser aus Wohlen künftig auch in den Sommermonaten fliesst.
Gemeinderat Manuel Stoop erklärte an der letzten Sommergmeind, dass Wohlen nur im Winter Wasser liefern könne. Auf Anfrage sagte auch Gemeindeammann Norbert Ender: «Die Leitung von Niederlenz nach Wohlen hat im Moment in den Sommermonaten keine freie Kapazität, um zusätzlich anderen Gemeinden Wasser zu liefern.»
Sparen, aber keine Notlage
An der Gemeindeversammlung informierte Manuel Stoop diesen Juni bei der Kreditabrechnung zum Netzverbund Wohlen-Niederwil über die Entwicklung der Trinkwasserversorgung. Der Grundwasserspiegel beim Pumpwerk Karrenwald sei dank des Netzverbundes seit Inbetriebnahme der neuen Leitung um rund fünf Meter angestiegen. Diese erfreuliche Entwicklung stimme den Gemeinderat zuversichtlich, dass die Trinkwasserversorgung auch während der Sommermonate zuverlässig sichergestellt werden könne, meinte damals Stoop.
Wegen des aussergewöhnlich trockenen Sommers ist die Lage bei der Wasserversorgung in Niederwil und Fischbach-Göslikon aber erneut angespannt. Beide Gemeinden riefen ihre Bevölkerung zum Wassersparen auf. «Die Situation ist noch nicht dramatisch, die Trinkwasserversorgung der Haushalte ist dank des Wassers aus Wohlen weiterhin sichergestellt», sagt Gemeindeammann Norbert Ender. «Trotzdem müssen wir dem Grundwasser Sorge tragen. Wir brauchen eine gewisse Reserve, damit sich der Grundwasserspiegel beim Pumpwerk Karrenwald langfristig erholen kann.» Zudem lasse sich heute nicht abschätzen, ob der kommende Winter genügend Niederschläge bringe, um das Defizit wieder auszugleichen. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden in der Region sprach Niederwil bisher keine Verbote aus. Ohne die zusätzliche Einspeisung des Wassers aus Wohlen im Winter, wären angesichts der anhaltenden Trockenheit weitergehende Einschränkungen aber kaum zu vermeiden gewesen.
Doppelt so viel Wasserverbrauch
«Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist erst rund die Hälfte der üblichen Jahresniederschlagsmenge gefallen. Zudem wurde seit drei Monaten rund doppelt so viel Wasser wie in einem durchschnittlichen Monat verbraucht», sagt Ender. Umso wichtiger sei ein bewusster Umgang mit dem Trinkwasser. «Kleinund Grossverbraucher können mit einem verantwortungsvollen Umgang mit diesem wertvollen Gut einen wichtigen Beitrag leisten. Der Gemeinderat appelliert deshalb an die Vernunft jedes Einzelnen», so Ender.
Ziel sei, dass die Landwirtschaft künftig im Sommer kein Trinkwasser für die Bewässerung brauche und so für eine Entlastung sorge. Ein Schritt dazu wurde bereits mit dem Pumpwerk Gnadenthal realisiert. Die Felder unterhalb des Dorfes werden mit Gnadenthaler Grundwasser bewässert. Initiiert und bezahlt wurde die Leitung 2025 von Landwirt Andreas Hufschmid.
Kein Trinkwasser für Landwirtschaft
Mit dem Aufruf zum Wassersparen kamen auch Einschränkungen für landwirtschaftliche Kulturen. Bereits gepflanzte Kulturen dürfen noch bewässert werden, neue hingegen nicht mehr. Davon betroffen sind Landwirtschaftsflächen oberhalb des Dorfes.
Eine Leitung von der Grundwasserfassung Riedmatte könnte in Zukunft Abhilfe schaffen. Das Wasser diente früher als Trinkwasserversorgung. Da es mit Nitrat belastet war, dient das Wasser nur noch für die Bewässerung des Spielfelds des FCs. Jörg Friedli, Inhaber der Friedli Gemüse GmbH, machte dort auf eigene Kosten 2024 Pumpversuche und reichte ein Gesuch beim Kanton und Bund für eine Leitung ein. Die Bewilligung liegt bereits vor. Da Friedli die Leitung auch bezahlen wird, hat er eine Genossenschaft mit sechs weiteren Landwirten gegründet, um Subventionen vom Bund zu erhalten. Bis Ende Jahr soll der Bescheid vorliegen und die Leitung nächstes Jahr gebaut werden. «Wenn die Landwirte weniger Trinkwasser für die Bewässerung ihrer Felder benötigen, dürfte sich die Wassersituation zusätzlich entspannen», sagt Gemeindeammann Norbert Ender.
Debora Gattlen

